Dienstag, 21. Mai 2013

18.05.2013: Etappen 2, 3 (Leithagebirge)


Üppige Markierungen
Ein Tag der Erkenntnis. Eigentlich gleich mehrerer Erkenntnisse. Erstens: die Leithagebirgsdurchschreitung sollte man nicht unnötig verlängern, so wie wir es getan haben. Sprich, man sollte wirklich in Breitenbrunn starten. Die 33 Kilometer bis Großhöflein reichen locker für einen langen Tag. Wir aber gingen von Neusiedl weg, weil wir das letzte Mal auf die zusätzlichen neun Kilometer verzichtet haben (Sie erinnern Sich vielleicht). Gtwo war auch wieder dabei. Nach einem Start noch in Seenähe ging es alsbald in die fürstlichen Waldungen der Forstverwaltung Ersterházy.

Diese hat vor zwei Jahren den Zentralalpenweg rund um ihr schmuckes Jagdhaus rückbauen lassen. Statt dessen darf man das Jagdhaus und das nahe Kaiserbründl jetzt auf einer neu errichteten Forstautobahn, auf der sich locker zwei ordentliche Harvester begegnen können, und die auch noch vom Steuerzahler gefördert wurde1, deutlich länger umgehen. Zahlen dürfen wir also, benutzen sollen wir nicht.
Neusiedler See von der Franz-Josefs-Warte
Dank Forstgesetz ist es aber jedermann weiterhin möglich, das Gebiet zu Erholungszwecken zu betreten, was wir auch taten. Nicht restlos empfehlenswert, hat doch die Natur stellenweise ganze Arbeit geleistet und die Orientierung durch aggressives Verwachsen ziemlich erschwert. Zeitersparnis hat uns die Abkürzung jedenfalls keine gebracht. Ich hatte übrigens nicht den Eindruck, dass sich vor der Ummarkierung Massen von Weitwanderern um das Ersterházysche Jagdhaus herumtrieben.
Buchkogelwarte
Der östliche Teil dss Leithagebirges bis zur Querung der B15 ist überhaupt stark von forstlichen Interessen geprägt. Nachher wird es etwas ruhiger, bleibt aber eintönig. Wie Gtwo allerdings völlig richtig bemerkte: das Besondere am Begehen der offiziellen Weitwanderwege ist, dass man in Gegenden kommt, die man sonst nie angesteuert hätte. Das Leithagebirge ist einfach nicht sonderlich anziehend. Vielleicht hätte man nichts verpasst, wäre man nicht dort gewesen, aber gesehen hätte man es auch nicht.
Der Schneeberg vom Buchkogel
Zumindest gab es auch positive Überraschungen: entgegen aller Beschreibungen (Korrektur: in Käfer & Käfer, 2011 ist auf Seite 31, 2. Abs. ein Hinweis auf einen "Kiosk" angegeben - schlecht gelesen) gibt es doch eine Einkehr am Weg: die Jausenstation im alten Forsthaus "Wilder Jäger" an der L213 bietet zumindest am Wochenende willkommene Erfrischungen für ausgelaugte Weitwanderer an. Sehr sympathisches Ambiente, eine Oase im wüsten Wald.
Wir am Buchkogel (Foto: unbekannt)
Daneben sorgten die beiden wirklich netten Aussichtswarten bei der Kaisereiche und am Buchkogel für Abwechslung. Achtung: abgesehen vom Kaiserbründl gibt es keine Quelle am Weg! Es wird empfohlen, mindestens 2 Liter mitzunehmen, lieber mehr!
Erster Jude
Gegen Ende wird's dann noch skurril. Beim Wegkreuz "Schöner Jäger" ist das komplette Abendmahl Jesus & Apostel vorbereitet. Jeder hat einen Hocker, mit Tisch in der Mitte. Nur Judas Iskariot wurde ausgeladen (siehe Foto). Bei der sechsstrahligen Sternkreuzung "Beim Juden" dagegen findet man eine Baumstumpffratze mit ausgeprägter Hakennase. Noch zeitgemäß? Na ja, Straßen dürfen ja auch weiterhin nach erklärten Antisemiten benannt werden, solange das Bewusstsein dafür gebildet ist.
"Beim Juden": politisch korrekt?
Erkenntnis Nummero zwo, die mit der ersten untrennbar verbunden ist: ich habe am Samstag gelernt, in Kilometern zu kalkulieren. Jetzt mache ich das Weitwandern wirklich schon lange, aber bisher war ich immer damit zufrieden, in Stunden Gehzeit zu rechnen. Neun Stunden Gehzeit sind im Gebirge allerdings nur vielleicht 20 km, aber an die 45 km im flachen Leithagebirge in neun Stunden - das geht an die Substanz. Peinlich. Ich werde mich bessern, in meiner Tourenplanung die Entfernungen ergänzen und wahrscheinlich den einen oder anderen Gehtag einschieben.
Ausblick auf die kommende Etappe Richtung Rosalia vom "Weißen Kreuz"
Weiter geht's voraussichtlich in knapp drei Wochen.


1) Österreichisches Programm für die Entwicklung des Ländlichen Raums 2007-2013: Infrastruktur im Zusammenhang mit der Entwicklung und Anpassung der Land- und Forstwirtschaft (M 125). Gegenstand der Förderung: (Auszugsweise) "Errichtung von Forststraßen in landschaftsschonender Bauweise"


 Eckdaten:
Etappeneinteilung, Kilometer- und Höhenangaben: Käfer & Käfer, 2011

Kommentare:

  1. Mit der verlängerten Leithagebirgsüberschreitung (bei mir 52km) habe ich auch schon meine Erfahrungen gemacht - hätte nicht sein müssen. Aber am nächsten Abschnitt waren wir dankbar dafür ;)

    Über den öden Forststraßenhatscher zu Beginn hab ich mich allerdings auch geärgert, bin penibel der Markierung gefolgt, um sie für OpenStreetMap zu erfassen.

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    1. Die Neumarkierung bei der Abzweigung ist, finde ich, auch nicht ganz klar - der Wegweiser zeigt in die Mitte zwischen den Wegen. Wenn wir es nicht gewusst hätten, wären wir ohnehin der anfangs noch bestehenden Markierung Richtung Kaiserbründl gefolgt. Auf den Karten ist das noch so verzeichnet.

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  2. hätte wärscheinlich nicht viel sinn gehabt, diese tour auf zwei etappen aufzuteilen. so sind wir, bezüglich längeres gehen, um eine erfahrung reicher.

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